In der Welt der Softwarequalitätssicherung gibt es viele Tools, die Tests automatisieren können – doch nur wenige verfolgen dabei einen modellbasierten Ansatz. Eines der bekanntesten und leistungsfähigsten Werkzeuge in diesem Bereich ist Tricentis Tosca.
In diesem Beitrag zeige ich dir, was Tosca ist, wie es funktioniert und warum es sich in großen Unternehmen als Standard für Testautomatisierung etabliert hat.
Was ist Tricentis Tosca?
Tricentis Tosca ist ein kommerzielles Testautomatisierungstool für funktionale und End-to-End-Tests, das von der Firma Tricentis entwickelt wurde. Im Gegensatz zu klassischen Frameworks wie Selenium oder Cypress, bei denen der Tester selbst Code schreibt, arbeitet Tosca mit einem modellbasierten Ansatz (MBTA – Model-Based Test Automation).
Das bedeutet:
Tests werden nicht programmiert, sondern modelliert – also visuell zusammengestellt.
Dadurch können auch Tester ohne tiefgehende Programmierkenntnisse komplexe Testfälle automatisieren.
Wie funktioniert Tosca?
Tosca basiert auf vier zentralen Konzepten:
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Test Case Design
– Hier werden Testfälle modelliert, modular aufgebaut und wiederverwendbar gemacht. -
Modules
– Module sind die Bausteine, die einzelne UI- oder API-Elemente repräsentieren (z. B. Buttons, Eingabefelder, Requests). -
Execution Lists
– Hier werden Tests ausgeführt, Ergebnisse gesammelt und Reports generiert. -
Test Data Management & Reuse
– Tosca ermöglicht eine zentrale Verwaltung von Testdaten, was besonders bei großen Testlandschaften hilfreich ist.
Vorteile von Tosca
Tricentis Tosca bringt vor allem in großen, komplexen Projekten klare Vorteile mit sich:
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Kein Programmieraufwand:
Testfälle werden modelliert, nicht gescriptet – das senkt die Einstiegshürde für Tester ohne Entwicklerhintergrund. -
Hohe Wiederverwendbarkeit:
Durch modulare Strukturen können Änderungen schnell in mehreren Tests gleichzeitig übernommen werden. -
Unterstützung vieler Technologien:
Tosca deckt eine breite Palette ab – von Web und Mobile über SAP, APIs bis hin zu Mainframe-Anwendungen. -
Integriertes Testdatenmanagement:
Testdaten lassen sich dynamisch generieren, verwalten und versionieren. -
Integration in DevOps-Prozesse:
Über CI/CD-Anbindungen (z. B. Jenkins, Azure DevOps) können Tests automatisiert in Build-Pipelines integriert werden.
Nachteile und Herausforderungen
Natürlich hat auch Tosca seine Grenzen. Besonders kleinere Teams oder Projekte mit Open-Source-Schwerpunkt stoßen oft auf folgende Punkte:
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Hohe Lizenzkosten – Tosca ist ein Enterprise-Tool und preislich entsprechend positioniert.
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Eingeschränkte Flexibilität – Modellbasierte Tests sind weniger frei als Code-basierte Frameworks.
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Lernkurve bei komplexen Systemen – Trotz No-Code-Ansatz erfordert Tosca ein gutes Verständnis der Architektur und der Testlogik.
Tosca im Vergleich zu anderen Tools
| Tool | Ansatz | Zielgruppe | Technologieabdeckung |
|---|---|---|---|
| Tricentis Tosca | Modellbasiert (No-Code) | Enterprise-Teams | Sehr breit (Web, API, SAP, Mobile, Mainframe) |
| Selenium / WebdriverIO | Code-basiert | Entwickler & Automatisierer | Web-Tests |
| Cypress | JavaScript-basiert | Frontend-Entwickler | Web-Apps |
| Playwright | Code-basiert | Entwickler & QA | Web, API, Mobile |
Tosca punktet vor allem bei großen Organisationen mit heterogenen Systemlandschaften, während Frameworks wie WebdriverIO oder Cypress in agilen, codezentrierten Projekten oft flexibler und kostengünstiger sind.
Beispiel aus der Praxis
Ein typisches Einsatzszenario für Tosca:
Ein Unternehmen testet regelmäßig SAP-Prozesse, eine Webplattform und eine mobile App.
Tosca ermöglicht es, diese Systeme in einem einzigen Tool zu automatisieren – inklusive Datenverwaltung und Reporting.
Durch die modellbasierte Struktur müssen Änderungen (z. B. an Eingabefeldern oder Abläufen) nur einmal angepasst werden, und sie wirken sich auf alle relevanten Tests aus.
Abschließende Worte
Tricentis Tosca ist ein leistungsstarkes Enterprise-Tool, das Testautomatisierung auf ein neues Niveau hebt – insbesondere dort, wo viele Systeme integriert sind und stabile, wiederholbare Tests benötigt werden.
Während Open-Source-Frameworks wie WebdriverIO oder Cypress mehr technische Freiheit bieten, punktet Tosca mit Standardisierung, Wiederverwendbarkeit und geringerem Wartungsaufwand.
Weiterführende Links
https://www.tricentis.com/de/plattform/automate-continuous-testing-tosca
FAQ
Was ist Tosca und wofür wird es eingesetzt?
Tosca ist ein kommerzielles Testautomatisierungs-Tool der Firma Tricentis. Es wird vor allem für die Automatisierung von End-to-End-Tests in komplexen Unternehmensanwendungen eingesetzt, häufig im Umfeld von Web-, SAP- oder Enterprise-Systemen.
Wie unterscheidet sich Tosca von klassischen Automatisierungsframeworks?
Im Gegensatz zu Frameworks wie Selenium oder WebdriverIO arbeitet Tosca größtenteils modellbasiert und nahezu ohne klassischen Code. Testfälle werden über Module und Parameter konfiguriert, was den Einstieg für fachnahe Tester erleichtert.
Für welche Projekte eignet sich Tosca besonders?
Tosca eignet sich vor allem für große Organisationen mit stabilen Prozessen, klaren Testanforderungen und komplexen Systemlandschaften. In solchen Projekten kann der modellbasierte Ansatz helfen, Tests schneller zu erstellen und zentral zu verwalten.
Welche Vorteile bietet Tosca?
Zu den größten Vorteilen zählen:
- Modellbasierte Testautomatisierung
- Gute Unterstützung für Enterprise-Systeme (z. B. SAP)
- Integriertes Testmanagement
- Weniger klassischer Programmieraufwand
In der Praxis kann Tosca insbesondere in regulierten oder stark strukturierten Umgebungen überzeugen.
Gibt es auch Nachteile bei Tosca?
Ja. Tosca ist lizenzpflichtig und vergleichsweise teuer. Zudem ist man stark an das Tool und dessen Arbeitsweise gebunden.